Du hast Schwierigkeiten einzuschlafen; wachst öfters mitten in der Nacht auf, wälzt dich von rechts nach links und liegst stundenlang wach. Am nächsten Morgen fühlst du dich erschöpft und kraftlos, als hättest du dich überhaupt nicht erholt.

Ein anderer Zustand, den wir alle sehr gut kennen, sind Rückenschmerzen. Wir alle haben sie mindestens einmal im Leben erfahren, die einen stärker und die anderen weniger stark. Rückenschmerzen schränken uns allenfalls ein und führen dazu, dass wir auf so manches verzichten müssen.

Beide Phänomene scheinen grundverschieden zu sein und doch treten sie oft gleichzeitig auf. Wissenschaftliche Studien haben erforscht, dass mehr als 50 % der Personen mit chronischen Schmerzen auch an Schlafstörungen leiden. In der industrialisierten Gesellschaft sind Rückenschmerzen die häufigste Form von chronischen Schmerzen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Schlaflosigkeit einen Großteil der Rückenschmerzpatienten betrifft.

Wie kommt es dazu, dass sich Rückenschmerzen und Schlafstörungen gegenseitig beeinflussen?

Wir verbringen in unserem Leben eine beachtliche Zeit mit dem Schlafen, durchschnittlich widmen wir nämlich zirka ein Drittel unserer Lebenszeit dieser „Tätigkeit“. In Vergangenheit war man der Meinung, dass der Schlaf nur ein „Ausschalten“ unseres Organismus darstellte, um Körper und Gehirn eine Ruhe- und Erholungsphase zu ermöglichen. In Wirklichkeit finden während des Schlafens Prozesse statt, die für eine normale Entwicklung unseres Lebens (im wachen Zustand) notwendig sind. Im Schlaf werden die Gehirnentwicklung gefördert, Erinnerungen gefestigt und somit das Lernen begünstigt. Das Immunsystem wird gestärkt und das Gehirn bekommt die Möglichkeit, sich von den während dem Tag angereicherten Giftstoffen zu befreien. Ein qualitativ guter Schlaf ist daher unerlässlich für die Gesundheit des Individuums.

Somit wird die Verbindung zwischen Schlaf und Rückenschmerzen klar. Schmerzen können die Schlafqualität beeinflussen, was wiederum zu einer Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens führt. Andererseits wird so auch die Schmerzschwelle herabgesetzt. Schlafentzug erhöht deshalb auch die Schmerzwahrnehmung. Patienten beginnen, die Schmerzen stärker wahrzunehmen und mit negativen Gedanken zu assoziieren. Als Folge können Angstzustände und Depressionen begünstigt werden. Der Patient verfällt in einen Teufelskreis: Schmerzen führen zu einem Schlafmangel, der Schlafmangel begünstigt wiederum die verstärkte Schmerzwahrnehmung und so nimmt der Teufelskreis seinen Lauf.

Wenn man an alle organischen (Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Steigerung der Schmerzintensität) und funktionellen Beschwerden (Leistungsveränderung bei der Arbeit und Beeinflussung der sozialen Kontakte) denkt, bei denen Schlafstörungen auftreten, wird einem bewusst, wie wichtig es ist, dem entgegenzusteuern. Der Teufelskreis muss unterbrochen werden, damit die Schmerzen nicht chronisch werden; somit werden auch Schlafstörungen vermieden.

Im folgenden Teil erlauben wir uns, dir einige Tipps zu geben, wie du deine Schlafqualität verbessern kannst.

An erster Stelle ist die Gestaltung eines regelmäßigen Tagesrhythmus unerlässlich. Versuche, wenn möglich, immer zu denselben Zeiten schlafen zu gehen und aufzustehen und vermeide unregelmäßige oder lange Nickerchen während des Tages. Regelmäßige körperliche Betätigung ist wichtig, doch direkt vor dem Schlafengehen ist Sport eher nicht zu empfehlen. Dagegen kann Sport in den frühen Morgenstunden aufgrund einer Freisetzung von Endorphinen den Schlaf-Wach- Rhythmus verbessern und die Sauerstoffzufuhr im Gewebe fördern. Außerdem sind Entspannungsübungen direkt vor dem Schlafengehen sehr empfehlenswert und können dir dabei helfen, zur Ruhe zu kommen.