Wie viele von euch hatten bereits stechende Rückenschmerzen, die vielleicht auch in die Beine oder in die Arme ausstrahlten? Häufig führen diese Symptome auch zur Angst vor einem Bandscheibenvorfall, der möglicherweise dahinter stecken könnte. Vielen bereitet der Gedanke an diese Erkrankung Sorgen, da sie einen unvermeidbaren chirurgischen Eingriff damit verbinden. In der Tat wissen jedoch die wenigsten, was es bedeutet, einen Bandscheibenvorfall zu haben.

Die Bandscheibe ist eine elastische Struktur, die sich zwischen den Wirbeln befindet und verschiedene Aufgaben erfüllt. Eine davon ist ihre Funktion als Stoßdämpfer. Mit der Zeit tendiert die Bandscheibe dazu, die Flüssigkeit, aus der sie größtenteils besteht, zu verlieren. So verliert sie auch an Elastizität. In einigen Fällen kommt es zu einer Verlagerung des Bandscheibengewebes nach außen, zum Beispiel in den Wirbelkanal – es kommt zu einem Bandscheibenvorfall. Falls das Heraustreten des Bandscheibengewebes umliegende neurale Strukturen (Nerven, Rückenmark) beeinträchtigt, kann es zu Symptomen wie Kraftverlust, Sensibilitätsstörungen, Taubheit und Ameisenlaufen entlang der Arme oder Beine kommen.

Ihr seid nicht die einzigen, wenn ihr dachtet, dass Personen, die körperlich anstrengende Arbeiten über einen längeren Zeitraum machen, wie beispielsweise Maurer, anfälliger für Bandscheibenvorfälle seien. Doch das ist falsch! Büroarbeit ist körperlich wesentlich weniger anstrengend und doch ist es genau diese sitzende Tätigkeit, die unseren Rücken überlastet, wenn sie über einen längeren Zeitraum ausgeführt wird. Daher sind regelmäßige Positionswechsel genauso unerlässlich wie sportliche Tätigkeiten, zum Beispiel gezielte Übungen, und Spaziergänge.

Die Vorstellung, dass Bandscheibenvorfälle die Hauptursache für Rückenschmerzen seien, ist ebenfalls weit verbreitet. Aber auch das ist falsch! In der Tat besteht nur ein geringer Zusammenhang zwischen dem, was wir in der Magnetresonanz sehen, und den Schmerzen, die der Patient wahrnimmt. Mehrere wissenschaftliche Studien können dies untermauern: zahlreiche Bandscheibenvorfälle werden bei asymptomatischen Personen gefunden, während sie bei vielen symptomatischen Patienten nicht nachweisbar sind.

Das bedeutet nicht, dass Bandscheibenvorfälle keine Schmerzen verursachen! Doch wenn bei einem großen Prozentsatz schmerzfreier Personen Bandscheibenvorfälle vorhanden sind, wie wahrscheinlich ist es dann, dass ein Bandscheibenvorfall die Ursache deiner Rückenschmerzen ist? Wenn du all die Gelenke deines Körpers genau betrachtest, wirst du bei fast jedem Gelenk eine kleine Einschränkung finden. Es ist nicht selbstverständlich, dass das, was man im MRT sieht, auch deine Schmerzquelle ist.

An dieser Stelle stellt sich eine Frage: Was muss ich tun, wenn ich einen Bandscheibenvorfall habe? Keine Panik! Diese Diagnose ist kein Grund zur Sorge, deine Rückenschmerzen könnten sich mit einfachen Behandlungen innerhalb kurzer Zeit wieder legen. Wende dich auf jeden Fall an einen Spezialisten (Hausarzt, Physiotherapeuten), der dir sagen kann, was in deinem Fall zu tun ist. Er kann dir praktische Ratschläge zu deinem Arbeitsplatz geben, ein spezifisches Übungsprogramm erstellen und dir empfehlen, regelmäßig Sport zu betreiben. In den meisten Fällen bessern sich die Schmerzen nach wenigen Wochen. Falls deine Symptome allerdings anhalten oder sich trotz dieser Maßnahmen verschlechtern, dann gehe deinem Problem zusammen mit einem Experten genauer auf den Grund.